Ein ganz normales Schulkind?

Es ist Juni. Luis seit drei Monaten an der neuen Schule. Er lernt gut, liebt Mathetests, hat viele Freunde gefunden, hält seine Lehrerin für “ganz schön schlau”, findet er ist an der coolsten Schule überhaupt und möchte am liebsten Internatskind werden. (Jetzt ist er Tageskind an der Internatsschule).

Ich weiß, Luis hat verdammtes Glück gehabt. Manch anderes Kind hat das nicht. Und nicht selten frage ich mich, was wäre gewesen, wenn wir nicht so schnell gehandelt hätten, wenn ich der Meinung der Klassenlehrerin und der Direktorin gefolgt wäre, wenn ich Luis weiter von Psychologin zu Psychotherapeutin geschleppt hätte, wenn tatsächlich das “Verfahren zur Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfes” eröffnet worden wäre, wenn Luis Depressionen und Autoaggressionen nicht aufgehört hätten?

Vor wenigen Tagen bin ich der Direktorin begegnet. Sie hat mich nicht gegrüßt. Vielleicht hat sie mich nicht gesehen, vielleicht hat sie mich nicht sehen wollen. Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, was sie heute über Luis denkt. Manchmal überlege ich, ob ich noch einmal das Gespräch suchen sollte. Manchmal bin ich mir sicher, ich muss ihr schreiben.

Ich würde gerne helfen. Ich würde gerne etwas tun, damit das, was Luis hat erleiden müssen, anderen Kindern erspart bleibt. Luis wollte immer ein ganz normales Schulkind sein. So normal, wie er es eben sein kann mit seinen Besonderheiten. Jetzt, an der neuen Schule, fühlt er sich mit seinen Besonderheiten an- und ernst genommen. Luis ist immer noch genau das selbe Kind wie im August letzten Jahres, als er das erste Mal seinen Ranzen schulterte und sagte: Endlich bin ich in der Schule, Mama. Seine Umgebung und die ihn umgebenden Menschen haben sich nun geändert und damit auch sein Verhalten.

2 Antworten zu „Ein ganz normales Schulkind?“


  1. 1 Robert 5. Juni 2010 um 21:44

    Schön, dass die Reise deines Sohnes gutes Ende genommen hat. Traurig, dass Kinder, wie Eltern überhaupt solche Situationen erleben müssen, wo doch Lehrer einen einfachen Auftrag haben: Lernbegleiter, Unterstützer und Freund der Schüler sein!

  2. 2 Mama 6. Juni 2010 um 18:20

    Ich danke Ihnen, Robert, für die Begleitung hier im Blog. Gerne werde ich bei Ihnen weiter lesen.


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Endlich Schulkind

Dies ist die Geschichte meines Sohnes, der so gerne ein ganz normales Schulkind wäre. Er ist es nicht. Er ist anders. Nach acht Wochen Schule, packt er zum ersten Mal seinen Rucksack und sagt: Mama, ich gehe weg, damit ich nicht mehr in diese Schule muss.

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